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Verhaltensstörungen beim Hund

Tierpsychologie


Was genau ist eine Verhaltensstörung?

Als Verhaltensstörung gilt eine kurzzeitige, langfristige oder auch bestehende Abweichung vom normalen, artspezifischen Verhalten.


Es gibt sehr viele Arten von Verhaltensstörungen, und die Ursachen dafür sind unterschiedlich und vielseitig. Um nur einige Arten aufzuzählen:
- Rangordnungsbezogene Aggression
- Territoriale Aggression- Angstaggression
- Schmerzbedingte Aggression
- Aggression ohne erkennbare Ursache
- Aggression gegenüber Hunden
- Aggression aus dem Beutefangverhalten heraus
- Gesteigerte Erregbarkeit- Allgemein gesteigerte Erregbarkeit
- Erregung in bestimmten Situationen
- Angstzustände ohne erkennbare Ursache
- Störungen im Futteraufnahmeverhalten
- Aufnehmen von Steinen und anderen Gegenständen
- Anorexie
- Koprophagie
- Adipositas
- Streunen und Ausbrechen
- Aufmerksamkeitsforderndes Verhalten


Als häufige Ursache für Verhaltensstörungen gilt eine Fehlprägung im Welpenalter.
Der Hundewelpe durchlebt eine Entwicklung des Hundeverhaltens, die sogenannte Ontogenese, die von der 1. Lebenswoche bis zum 7. Lebensmonat andauert.
Die gesamte, artgerechte, Entwicklung des Hundewelpen ist sehr wichtig, damit der ausgewachsene Hund mit Situationen und Begegnungen problemlos umgehen kann.
Jedoch gibt es zwei Phasen, die von grosser Wichtigkeit sind, und die der Mensch entscheidend beeinflussen kann.

Eine dieser beiden Phasen ist die
Prägungsphase, von der 4. bis 7. Lebenswoche.
In der Prägungsphase sind die Sinnesleistungen des Hundes bereits voll entwickelt, und das Erkennen von Objekten ist möglich. Ebenso wird das wichtige, aggressionshemmende Verhalten erlernt. In dieser Phase ist es unbedingt notwendig, dass der Welpe Kontakt mit Artgenossen, Erwachsenen und Kindern hat, damit er sie später in sein Sozialverhalten mit einbeziehen kann. Mit Kontakt ist jedoch nicht nur blosse Anwesenheit gemeint, sondern auch Körperkontakt durch Anfassen, Hochheben, Streicheln etc.
Ist dies nicht der Fall, ist mit grosser Sicherheit zu erwarten, dass der Hund durch diese Fehlprägung in seinem späteren Leben Angst oder Aggression gegenüber Artgenossen, Erwachsenen oder Kindern entwickelt.
Die Prägungsphase verbringt der Hundewelpe bei seinem Züchter, zusammen mit der Hundemutter und seinen Geschwistern. Ein seriöser Züchter wird deshalb grossen Wert auf eine bestmögliche und sorgfältige Prägungsphase legen.

Die zweite dieser Phasen ist die
Sozialisierungsphase, von der 8. bis 12. Lebenswoche.
In dieser Phase wird der Welpe sozusagen zu einem sozialen Mitglied der Hunde- und Menschengesellschaft erzogen.
Normalerweise spielt der Rüde in dieser Zeit eine sehr wichtige Rolle. Er spielt Beutespiele mit den Welpen, jagt mit ihnen und lässt sich von ihnen jagen. Dabei steigert der Rüde den Schwierigkeitsgrad stetig. Ebenso führt der Rüde Tabuspiele mit den Welpen aus. Er belegt z.B. einen Knochen mit einem Tabu, d.h. kein Welpe darf ihn anrühren. Falls einer der Junghunde der Verlockung trotzdem nicht widerstehen kann, wird er vom Rüden an der Nackenfalte gepackt und gebeutelt. Im Anschluss daran wird der Welpe aggressionshemmendes Verhalten (Aggressionsblockade) zeigen. Durch Kampfspielen lernen Welpen in dieser Phase, wie stark im Spiel zugebissen werden darf.
Die Sozialisierungsphase verbringt der Welpe in der Regel bereits bei seinem neuen Besitzer. Dieser muss nun die Rolle des Rüden als Erzieher übernehmen, und sich intensiv mit dem Welpen beschäftigen. Die Welpen sind in diesem Alter sehr lernfähig; jedoch sollte das Lernen ausschliesslich durch Spiel erfolgen. Keinesfalls sollte ein "Dressurprogramm" durchgeführt werden; dies könnte zu Überforderung und späterer Wesensschwäche des Hundes führen!



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